Bildungs- und Berufsbiographien

Betrachtung der Lebensläufe von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Sprache

Eine Studie der Universität Leipzig

Aufbau der Studie

Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Sprache sind Risikokinder ersten Grades für die Herausbildung von Folgeproblemen im schulischen, kognitiven und sozial-emotionalen Bereich (Weinert 2002, 2004; Dannenbauer 2004; Snowling et al. 2000, Suchodoletz 2004). Diese Schüler benötigen eine spezifische Therapie/ Förderung, die durch den Besuch einer Sprachheilschule oder über eine integrative Beschulung erfolgt. Sprachheilschulen verstehen sich dabei als Durchgangsschulen, die ihre Schüler durch ein optimiertes Lernumfeld auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten sollen. Das Ziel ist der Übergang in die Regelschule  nach einer erfolgreichen Therapie/ Förderung der sprachlichen Beeinträchtigung. Trotzdem gibt es eine nicht unerhebliche Zahl an Schülern, die bis zum Ende ihrer Schulzeit Förderbedarf im Bereich Sprache aufweisen und ihren Schulabschluss an einer Sprachheilschule erwerben (regulärer Haupt- oder Realschulabschluss). Schule hat jedoch nicht nur die Aufgabe ihre Schüler zu einem erfolgreichen Schulabschluss zu führen. Sie soll ebenso eine allgemeine und berufsvorbereitende Bildung vermitteln und Voraussetzungen für eine berufliche Qualifizierung schaffen. Dabei gilt es die individuellen Leistungen zu fördern, spezifische Interessen und Neigungen zu unterstützen, Grundlagen für lebenslanges Lernen zu legen und die Ausbildungsfähigkeit der Schüler zu entwickeln (vgl. Sächsisches Staatsministerium für Kultus 2004).

Bezüglich des Übergangs von der Sprachheilschule in die Berufsvorbereitung, die Berufsausbildung und das Berufsleben interessierten im hier dargestellten Projekt aus diesem Grund eine Reihe von Fragen, die auch Auswirkungen auf das professionelle Handeln von SprachheilpädagogInnen im Schulalltag haben:

In der Studie wurden dafür, neben der Darstellung der Situation im Ausbildungsmarkt, mit Hilfe von Fragebögen ehemalige Schüler der Sprachheilschulen in den Bundesländern Sachsen und Nordrhein-Westfalen befragt. In einer zweiten Fragebogenerhebung wurden des weiteren Berufsschüler mit bestehendem Förderbedarf im Bereich Sprache, ihre Lehrer sowie ihre Ausbilder/ Berufsschullehrer befragt. Dabei ging es um erworbene und erwartete Kompetenzen, Berufswünsche und Arbeitsmarktperspektiven.

 

Arbeitsschwerpunkt 1:

Gegenüberstellung: Selbsteinschätzung Schüler vs. Einschätzung abgebende /zukünftiger Lehrer

Zeitraum: 08/2009 – 02/2010

- Befragung von Schülern des BvJ und BvB am Berufsbildungswerk für Hör- und Sprachgeschädigte Leipzig gGmbH und des Berufsbildungswerkes Paulinenpflege in Winnenden

- Fragebogen zu Fähigkeiten, Kompetenzen, Schulleistungen, Berufswünschen und sprachlichen/kommunikativen Fähigkeiten

- Identische Befragung der Lehrer an den BBWs sowie die Lehrer der von den Schülern zuletzt besuchten allgemeinbildenden Schule

Somit kann die Selbsteinschätzung der Schüler mit der Einschätzung der Lehrer verglichen werden. Ebenfalls wird deutlich, inwiefern die abgebenden Lehrer ein realistisches und an den Bedürfnissen der Berufswelt orientiertes Fähigkeits- und Kompetenzprofil ihrer Schüler haben.
        

Arbeitsschwerpunkt 2:

Befragung ehemaliger Schüler der Sprachheilschulen

Zeitraum: 11/2009 – 11/2010

Befragung ausgewählter Einschulungsjahrgänge der Sprachheilschulen in Sachsen sowie einem weiteren Bundesland zu Bildungsweg (Schulart, Abschluss, Berufsbildung), Ausbildungsberuf, aktueller Beruf, Selbsteinschätzung der sprachlichen/kommunikativen Fähigkeiten der ehemaligen Schüler.

Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Frage nach langfristigen Auswirkungen auf die berufliche Perspektive von Schülerinnen und Schülern infolge eines vorübergehenden oder noch bestehenden sonderpädagogischen Förderbedarfs im Bereich Sprache.

Zu diesem Bereich werden weder von den Kultus- und Bildungsministerien noch von der Agentur für Arbeit Statistiken geführt.
       

 

Arbeitsschwerpunkt 3:

Darstellung der Ausbildungsmöglichkeiten und Hilfssysteme

Zeitraum: 12/2009 – 10/2010

Von Seiten der Agentur für Arbeit existieren für Jugendliche mit Sprachbehinderungen Hilfssysteme, die eine erfolgreiche Berufsvorbereitung und Berufsausbildung unterstützen und ermöglichen sollen.

In den einzelnen Bundesländern sind darüber hinaus zusätzliche Unterstützungsangebote (z.B. Berufseinstiegsbegleiter) installiert. Neben diesen Hilfen für Sprachbehinderte bestehen bundesweit zusätzlich unterschiedliche Angebote für Jugendliche mit sprachlichen Beeinträchtigungen infolge eines Migrationshintergrundes. Da sich die Angebote zwischen den Bundesländern deutlich unterscheiden und es auch für andere Förderschwerpunkte spezielle Unterstützungsangebote gibt, ist es das erklärte Ziel die Bandbreite möglicher Förderformen aufzuzeigen und eventuelle Adaptionsmöglichkeiten für den sprachheilpädagogischen Bereich abzuleiten.